Interview: „Circa“-Redakteur Anthony De Rosa fordert Social Media-Kompetenz

Er kennt die Trends: Social Media-Redakteur Anthony De Rosa arbeitet inzwischen für die News-App „Circa“ und erklärt im Interview, warum Journalisten heute mit Sozialen Netzwerken umgehen müssen.

Anthony De Rosa im Interview:
„Ohne Social Media bist du verloren“

BuzzFeed provozierte kürzlich mit der Aussage „The Social Media Editor is Dead“. Wir haben den quicklebendigen Anthony de Rosa dazu befragt, der New Yorker ist eine Art Social Media-Trendbarometer. Wer ihm nicht folgt, verpasst was.

Anthony De Rosa im Interview: „Ohne Social Media bist du verloren“

Kann man mit Ende 30 noch als Digital Native gelten? Anthony De Rosa ist nicht in die digitale Welt hineingeboren, aber er hat sich seinen Status in ihr erbloggt. TV-Chefkoch Anthony Bourdain nennt ihn den „Chef-Twitterer“, die New York Times den „unangefochtenen König des Tumblr“ und das Time Magazine schreibt: „Er ist das digitale Äquivalent zu dem Typen, neben dem man gerne gesehen werden möchte“. Schon 3200 Seiten zählt sein Tumblr Soup, welches mit der Grund dafür war, warum ihn Reuters 2011 zum Social-Media-Redakteur ernannte.

Soeben wurde bekannt, dass der Nachrichten-Revolutionär die altehrwürdigen Hallen von Reuters hinter sich lässt, um sich dem jungen StartupCirca anzuschließen. Dieses vertreibt eine App, die das mobile Nachrichtenlesen so angenehm wie möglich gestalten will, indem es News aggregiert und für kleine Bildschirme aufbereitet. In seiner Funktion als Circa-Chefredakteur will Anthony De Rosa nichts weniger, als das Format des Artikels neu erfinden, wie er Fast Company verriet.

Wie Zeitungen auf die digitalen Kanäle reagieren müssen und was ein Social Media-Redakteur eigentlich macht, das erzählt der New Yorker im Interview.

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BuzzFeed hat gerade eine lebhafte Diskussion darüber angestoßen, ob man den Job des Social Media-Redakteurs überhaupt noch braucht. Was sagst du dazu?

Ich verstehe nicht, warum jemand denkt, es brauche keine Social-Media-Redakteure mehr. Glaubt wirklich irgendwer, Newsrooms wüssten, wie man auf sozialen Kanälen nach User Generated Content (UGC) sucht, der Nachrichtenwert besitzt? Ich denke, die meisten Newsrooms, wenn nicht alle, sind noch lange nicht soweit und müssen sich diesbezüglich stark auf die Hilfe von Social-Media-Teams verlassen. Ein zentrales Team, das UGC mit Nachrichtenwert hinterherjagt, hat auch die Fähigkeit, diese Informationen zu prüfen, zu verifizieren und nachzuverfolgen. Es weiß, wie man Content aus sozialen Netzwerken herausbekommt. Das ist etwas, das die meisten Newsrooms ohne Social-Media-Teams noch nicht gut genug können.

Also brauchte auch Circa einen Social Media-kompetenten Redakteur?

Ich gehe zu Circa, weil ich die Vision des dortigen Teams und der Gründer teile. Und zwar, den Artikel in der Form von Handlungssträngen neu zu erfinden. Ich sehe ein riesiges Potential, die perfekte mobile Nachrichten-App zu schaffen.

Was genau heißt das für die Nachrichten?

Das heißt, dass sich die umgekehrte Nachrichtenpyramide weiterentwickeln muss. Wir präsentieren immer noch Nachrichten, die für Zeitungen und Print gedacht sind. Wir haben noch nicht genug über die digitalen Plattformen nachgedacht und darüber, wie wir sie am wirksamsten einsetzen. Wir können so viel mehr tun, um effizient zu sein, zeitgemäß und weniger redundant; dann erreichen wir Leute besser, die beschäftigt sind und ihr Smartphone benutzen. Und wir müssen daran arbeiten, Multimedia-Möglichkeiten noch viel aufregender zu gestalten. Damit holen wir die Menschen ab, die sich Zeit nehmen und mit ihrem Tablet auf der Couch liegen. Es ist verrückt, vor 20 Jahren wurde das Internet geboren und wir zeigen Nachrichten immer noch auf eine flache, ineffizente Art.

Und welche Rolle spielen die sozialen Netzwerke dabei?

Verlage müssen sich darüber im Klaren sein, dass Social Media nicht mehr hinterfragt werden muss. Das wäre wie die Frage nach dem Wert von E-Mail oder von Webseiten überhaupt. Ein Großteil der Nachrichten fließt heutzutage durch die sozialen Netzwerke. Wenn du dir als Verlag dessen nicht bewusst bist und die Netzwerke nicht durchsuchen kannst, bist du verloren.

Aber wie geht man als Nachrichten-Agentur wie Reuters mit der Glaubwürdigkeit von Social-Media-Quellen um?

Mit der Glaubwürdigkeit von Social-Media-Quellen ist es wie mit allen Informationsquellen. Man muss vorsichtig mit ihnen sein. Social Media ist einfach nur eine weitere Quelle, die man genauso gründlich prüfen und verifizieren muss wie jede andere.

Wie, glaubst du, sieht die Zukunft unserer digitalisierten Gesellschaft aus?

Ich denke, mit Social Media wird es einfach die gleiche Entwicklung geben, die alle anderen Kommunikationskanäle auch durchgemacht haben. Telefone, Fernsehen, das Internet, sie alle müssen sich zurücknehmen und uns einfach dabei helfen, unser Leben effizienter zu machen. Sie sollten in den Hintergrund rücken. Und ich denke, das passiert immer mehr. Weniger Gerät und mehr praktischer Zweck.

Ein paar persönliche Fragen zum Schluss: Wie viel Zeit verbringst du täglich im Internet? Was ist deine Lieblins-App im Moment (nach Circa natürlich) und welches physische Buch hast du zuletzt gelesen?

Ich verbringe wahrscheinlich um die sechs bis sieben Stunden täglich online. Meine zweitliebste App im Moment wäre „Dots“. Ich lese zur Zeit „The Looming Tower“. lg

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