Interview: Frank Schmiechen verschmilzt mit Google Glass

Schon vor seiner Silicon Valley-Reise war der stellvertretende Chefredakteur der „Welt“ überzeugt: Hirn und Technik verschmelzen. Ein ersten Schritt in diese Richtung sei die Google Glass.

Frank Schmiechen: „Das Web wird zu einer Prothese für unser Gehirn“

Der stellvertretende Chefredakteur der WELT hält die Google Glass nur für den Anfang bei der Verbindung Mensch-Internet.

Frank Schmiechen: „Das Web wird zu einer Prothese für unser Gehirn“

Der Journalist Frank Schmiechen war 2004 Mitglied des Gründerteams der WELT KOMPAKT, seit 2010 ist er stellvertretender Chefredakteur der WELT und WELT AM SONNTAG. Jan-Eric Peters, Chefredakteur der WELT, nennt seinen Stellvertreter den „Digital-Guru“. Genau der richtige Mann also, um mit ihm über die Zukunft der Medienangebote für die Google Glass, die Pläne der WELT dazu und das Verhältnis von Internet und Mensch zu sprechen.

Frank Schmiechen, haben Sie denn schon von Kai Diekmann erfahren, wie er Google Glass findet? Er ist ja einer der wenigen ersten Tester.

Noch nicht persönlich. Ich verfolge im Moment neugierig seine Tweets.

Wie bewerten Sie denn diese neue mobile Geräteklasse rund um die Glass?

Die Entwicklung der Google-Brille überrascht mich überhaupt nicht. Das Internet rückt immer näher an den Menschen heran. Das fing mit der Tastatur auf dem Schreibtisch an, jetzt sind es die Smartphones in unserer Hand – manche Kinder sind ja fast mit ihrem Smartphone verwachsen. Die Entwicklung wird in diese Richtung weiter gehen: Die Verbindung vom Menschen zum Internet wird immer enger. Das Internet wird zu einem ständigen Teil unseres Sichtfeldes. Es ist dann einfach da – um uns herum, in den Dingen. Auch in uns.

Wie bei dieser neuen Technik mit projizierbaren Touchpads, die per Magnet bedient werden, den man sich in die Fingerkuppe implantieren lassen kann.

Ja, die Brille ist definitiv nur ein erster Schritt. Diese Bewegung ist nicht aufzuhalten. Das Web wird zu einer Prothese für unser Gehirn. Das Smartphone erledigt Dinge, die unser Gehirn nicht erledigen kann. Wir sind damit Teil eines allwissenden Netzwerks, und die Brille sorgt dafür, dass wir das immer und überall sind. Dabei wird das stationäre Netz, also Heimcomputer, langsam abgelöst durchs mobile Netz.  Wir schaffen uns in Zukunft eine eigene Wirklichkeit, indem wir ständig die virtuelle Realität mit der echten Welt verknüpfen.

Die New York Times hat als erste Zeitung eine App für Glassvorgestellt. Sieht so Zeitung in der Zukunft aus?

Ich finde den Gedanken, unbedingt dabei sein zu wollen, sportlich und gut. Für Medienmarken wie die WELT, die ihre Digitalisierung konsequent vorantreiben, sind alle Entwicklungen in dieser Hinsicht interessant. Im Moment können wir wirklich zuschauen, wie die Zukunft passiert.

Funktioniert das Konzept der NYT-App für die WELT?

Wir beobachten dies mit Interesse. Wir machen ja alles, vom Newsticker bis zur profunden Hintergrundberichterstattung und sind grundsätzlich offen für neue Ideen und Kanäle. Aber jede Medienmarke muss für sich selbst entscheiden, was und wo sie in der digitalen Zukunft sein will.

 Und wie kann die Monetarisierung auf so einem Gerät aussehen?

Meine Aufgabe ist es, mich um journalistische Inhalte zu kümmern und ich bin davon überzeugt, dass man damit überall Geld verdienen kann. Aber keine Angst: Wenn mir die One-Million-Dollar-Idee kommt, sage ich Bescheid.

lg

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