Leselampe im Zwielicht: Die Yakuza veröffentlichen eigenes Magazin

Um ihr Image zur verbessern, veröffentlicht die japanische Mafia nun ein eigenes Magazin. Skurrile Strategie: Angel-Reportagen und Gedichte sollen die Gangster menschlicher darstellen.

Japanischer Mafia-Clan der Yakuza besticht durch eigenes Magazin

Die Yakuza kämpfen mit Content Marketing gegen sinkende Mitgliederzahlen. Das neue Mafia-Magazin ergänzt rund hundert verschiedene Fanzines, die den Lifestyle der Gangster-Bosse glorifizieren.

Japanischer Mafia-Clan der Yakuza besticht durch eigenes Magazin

Wenn ganzkörpertätowierte Mafia-Bosse ein eigenes Magazin veröffentlichen, kann der Grund nur Content Marketing sein. Der japanische Mafia-ClanYakuza will so neue Mitglieder rekrutieren und die alten bei der (Brech-) Stange halten. Aber was liest man im Untergrund? In der achtseitigen Broschüre namens „Shinpo“ gebe es eine Gedichte-Seite, Lesestücke über traditionelle  Brettspiele und Reportagen von Fischereiausflügen einiger  Gangsterbosse, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Mit Tinte und Papier gegen den Bedeutungsverlust: Anscheinend wurden kürzlich neue Gesetze erlassen, die es den Mitgliedern der Yakuza nicht mehr erlauben, Bankkonten zu eröffnen und Immobilienverträge zu unterzeichnen. Auch die Jugend scheint sich vom Clan abzuwenden. Nach Informationen der nationalen Polizeibehörde verlor die größte japanische Mafia-Organisationim letzten Jahr rund 3300 Mitglieder. Deshalb nutzt Clan-Chef Kenichi Shinoda die Titelseite der ersten Ausgabe, um die jüngeren Mafiosi zu Disziplin aufzurufen.

Das Magazin ist nicht öffentlich zugänglich. Allerdings gibt es eine Reihe von Fan-Magazinen, die man als Branchen-Newsletter beschreiben könnte. Bei dem Geschäft handelt es sich allerdings um Zuhälterei, Erpressung, Drogenhandel und Wirtschaftskriminalität. Wie normale Zeitungen liegen diese Magazine an Kiosken aus, was mit dem gesellschaftlichen Ansehen der kriminellen Gruppe zu erklären ist. Es gibt verschiedene Yakuza-Clans, der größte davon heißt Yamaguchi-gumi und ist verantwortlich für die interne Mitgliederzeitung. Die Fan-Magazine widmen sich ebenfalls einzelnen Gruppierungen, interviewen angesehene Gangster und stellen ihren Lifestyle als erstrebenswert dar. Zu den Lesern gehören Bewunderer, aber auch Polizeibeamte, die gelegentliche Hinweise auf illegale Aktivitäten aufzuschnappen hoffen.

Neben ausgedehnten Interviews zu japanischen Traditionen und Werten informieren die Fanzines auch über die besten Strip-Clubs, Tattoo-Künstler und geben Sex-Tipps. Im Tenor werden die Yakuza als wohltätige Organisation dargestellt, die fremde Kriminelle abschreckt und so die japanischen Städte sicherer macht. Diese Hefte sind so beliebt und finanziell so gut abgesichert, dass sich über hundert verschiedene Yakuza-Magazine am Kiosk behaupten. Lifestyle-Magazine der zwielichtigeren Art. lg

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