Newsgames machen Nachrichten spielerisch erlebbar

Journalismus und Spiele kombiniert: Das sind Newsgames. Zur Zeit noch simpel, aber durchaus wirkunsvoll vermitteln sie Inhalte, die Reportagen ergänzen können.

Was sind Newsgames?

Eine Kombination aus Journalismus und Online-Spiel: Newsgames. In den USA und Lateinamerika schon verbreitet, hierzulande noch kaum beachtet.

Was sind Newsgames?

2013 wird man wieder über Newsgames sprechen. Das prophezeite der deutsche Spieleentwickler und Journalist Marcus Bösch. Nicht ganz uneigennützig, denn im Januar dieses Jahres gründete er seine eigene Spieleschmiede: The Good Evil. Dort spezialisiert man sich auf so genannteNewsgames.

Im Jahr 2011 erlebte das Thema seinen ersten Boom, denn Game-Designer Ian Bogost veröffentlichte die erste und bis heute einzige Monograpie, die sich umfassend mit „Newsgames“ beschäftigt. „Die Entwickung des Genres ist seit Beginn der Nuller Jahre durch kurze Hype-Cycle geprägt“, sagt derdeutsche Newsgames-Pionier Marcus Bösch. Im Zuge der Debatte um die Zukunft der Zeitung trifft er mit seinem „PRISM- the Game“ einen Nerv. Journalisten suchen nach neuen Formen des digitalen Storytellings – und finden Newsgames.

Die Mischung aus News und Games soll Nachrichten spielerisch erlebbar machen. Ganz nach dem Motto „Show, don’t tell!“ widmen sich praktische Beispiele etwa der Berichterstattung aus Kriegs- und Krisengebieten. Denn, so Marcus Bösch, ein Kriterium für ein Newsgame ist die Haltbarkeit seiner Nachricht. Das Spiel sollte ein Thema behandeln, das längere Zeit aktuell bleibt.

The Good Evil ist die einzige Games-Firma in Deutschland, die sich Newsgames widmet. In den USA, England und Brasilien erleben die modernen Formen des Storytelling phasenweise größere Beachtung und verbreitetere Umsetzung. Soziale Netzwerke bieten den idealen Kontext für Games, diese werden aber in Deutschland bisher ausschließlich von Firmen erstellt. Verlage halten sich mit den journalistischen Spielen noch zurück.

Das erste deutsche Newsgame beschäftigt sich mit einem globalen Thema: PRISM. Marcus Bösch hat die simple Spielmechanik umgesetzt und bringt Redakteuren die neue digitale Storytelling-Möglichkeit in Workshops nahe. Newsgames gelten als Teil des „Immersive Journalism“, der den Leser möglichst unmittelbar am Geschehen teilhaben lassen möchte, beispielsweise auch durch den Einsatz der Google Glass bei der Kriegsberichterstattung. Mit der Datenbrille können Erlebnisse aus der eigenen Perspektive gefilmt und per Live-Video ins Netz übertragen werden.

Vielzitierte Beispiele für Newsgames sind beispielsweise das Spiel „Cutthroat Capitalism“ von Wired, in dem man als somalischer Pirat andere Schiffe kapert. Weil das Newsgame „Endgame: Syria“ nur aus der Perspektive eines Rebellenführers spielbar war, weigerte sich Apple, das Spiel in seinen App Store aufzunehmen. Besonders bildgewaltig kommt „Inside the Haiti Earthquake“ daher, es basiert auf dokumentarischem Filmmaterial und gibt dem Spieler verschiedene Auswahlmöglichkeiten, die Geschichte zu steuern. Diese Spiele begleiten die Berichterstattung in Online-Magazinen, bislang allerdings vor allem in den USA.

Ob simpel, dokumentarisch, grafisch oder an analoge Spiele angelehnt: Newsgames sollen mehr Menschen an Nachrichten heranführen und sie für komplexe Themen interessieren. Sie nutzen die Online-Möglichkeiten unserer Zeit und bieten damit dem Journalismus in neuer Form eine Chance. lg

 

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