Wo Millenials frühvergreisen: 5 Erkenntnisse von der Teenie-Internetkonferenz Tincon

Sie gilt als re:publica für Teenager und hat das Zeug zum digitalen Jugendkulturgipfel: Auf der ersten Berliner Internetkonferenz Tincon drehte sich alles um Mediennutzung und Kreativität der Generation Snapchat. W&V-Autorin Lisa Geiger war dabei.

Tincon Lisa Geiger

Fotocredit: Lisa Geiger

„Instagrräm“ fehlbetont Familienministerin Manuela Schwesig das Social Network der visuell geprägten Generation Z und erntet Gekicher aus den Reihen der 13- bis 21-Jährigen. Sie lauschen ihrer Ansprache zur Eröffnung der Tincon (teenageinternetwork convention ) auf blau beleuchteten Kisten und grauen Sitzsäcken. Hier geht es nur um sie: Die Medienmacher von Morgen, die Zielgruppen von heute, die True Digital Natives stellen furchtlose Fragen an die Ministerin, das Organisatoren-Duo Tanja und Johnny Haeusler und die anwesenden Youtube-Stars. Dabei werden sie neu-gierig beäugt von der anwesenden Presse. Hier sitzt die Zukunft. Und alle wollen wissen: Was macht die so?

1.  Mitmachen: Jugendliche wollen interagieren.

Der Ansatz des Internet-Festivals setzt voraus, dass Jugendliche über ihre Medien sprechen, sie sogar mitgestalten wollen. Natürlich kommen tendenziell eher die Teenies zur Tincon, die schon Interesse an selbstgemachten Medien haben. Trotzdem spricht eine Teilnehmerzahl von rund 1000 jungen Menschen bei der allerersten Teenie-Version der Re Publica für sich. Die erste Erwachsenen-Re Publica 2007 besuchten dagegen nur 700 Nerds. (Damals sah Facebook allerdings noch so aus.)

2. Youtube, Snapchat, Instagram: Auf Facebook sind sie nicht mehr angemeldet.

Eine nicht repräsentative Umfrage unter Tincon-Teilnehmern zeigt: Nur noch deine Mutter ist auf Facebook. Youtube, Snapchat und Instagram entsprechen inzwischen viel eher den Kommunikationsbedürfnissen. Und bringen ihre eigenen Stars hervor.

3. Youtuber sind die neuen Stars mit BFF-Status bei ihren Fans.

No shit, Youtuber sind die neuen Stars. Eigentlich spannend ist allerdings das Verhältnis zu ihren Fans. Auf der Tincon ging es offiziell „nicht darum, Autogramme zu sammeln, sondern mit den Youtubern zu reden und von ihnen zu lernen“. Tatsächlich wird Oguz Yilmaz (ehem. Y-Titty) trotz erhobenem Zeigefinger und Medienkompetenz-Vortrag von einer begeisterten Göre gefragt: „Macht ihr eigentlich auch privat Pimmelwitze?“. Fast verzweifelt ruft Oguz noch beim Verlassen der Bühne sowas wie „Denkt an eure Verantwortung!“. Und eine Gruppe Girls folgt ihm dann doch zum Autogramme sammeln.

Durch die scheinbar privaten Einblicke in das tägliche Leben der Digital-Stars scheint der Eindruck eines sehr nahbaren Freundes zu entstehen, der im Idealfall völlig ungesponserte Produktempfehlungen oder Meinungen und Entscheidungen vorlebt. Snapchat und Instagram füllen dabei perfekt den Content-Mix der Youtube-Stars. Die private Ebene der Contents macht die Youtuber zu einer neuen Art von Star zum Anfassen.

4. Youtuber kennen ihre Verantwortung. 

Nicht nur Oguz, sondern unter anderen auch Fynn Kliemann nutzten ihren Vortrag auf der Tincon, um den anwesenden Jugendlichen von guten und schlechten Deals zu berichten. Fynn ist erklärter Verfechter von Werbefreiheit auf seinem Kanal. „Es ist cool, wenn man niemandem was schuldig ist.“ Das gehe natürlich nur, wenn man nicht von Youtube lebt und nicht auf die Werbeeinnahmen angewiesen ist. Er betreibt nebenbei selbst eine Werbeagentur. Der Heimwerkerking weiß also genau, was er da tut, wenn er zweiwöchentlich sein erfolgreiches Videokonzept wiederholt, arbeitet dann aber lieber mit Viva con Agua statt Hornbach zusammen. Das wird auf der Tincon mit ehrlichem Applaus belohnt.

5. Muttis vs. Millenials: Eltern kennen sich mit Youtubern besser aus als Millenials.

Eigentlich logisch: Sie sind die Stars ihrer Kids. Ein Blick ins Kinderzimmer, in die glückselig-glasigen Augen, auf ihr Smartphone genügt für eine Mutter oder einen Vater, um die Youtube-Helden ihrer Zöglinge wieder zu erkennen. Die kinderlosen Mittzwanziger (aka Millenials) sind allerdings großteils zu beschäftigt auf veganen Streetfood-Märkten, um noch wirklich Youtube-Native zu sein.

Fazit: Ein Wochenende in der Welt der Teenies lässt ein Millenial wie mich nicht nur gefühlt frühvergreisen, sondern eröffnet neue Erkenntnisse. Die Kids wissen, was sie tun. Und sie haben Bock, sich einzubringen. Lasst euch was von ihnen erzählen. Denn die Medienmacher von Morgen sind mehr als nur eine Zielgruppe.

 

erschienen auf Werben & Verkaufen Online am 31.05.2016

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