Changing the Game: 6 Reaktionen von Like bis Hangry zur TEDxBerlin

Rund 700 Menschen in Hemden stolperten an diesem Sonntag im September durch rot beleuchtete Räume. Die TEDxBerlin verteilte zum achten Mal ihre „Ideas Worth Spreading“ in viertelstündigen Vorträgen, diesmal zum Thema „Changing the Game“. Vor den Türen der TED-Talks tobte die IFA, immerhin mit Wifi Worth Spreading.

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1. Like

Seine Hand ersetzt den Inhalt seiner Hosentaschen. Der Biohacker Hannes Sjoblad steuert mit einem implantierten Chip in seiner Hand das Haustürschloss, den Zugang zu Fitnessstudio und Büro sowie das Bitcoin-Bankkonto. Er meint „Human augmentation is here and is desperately needed“. In Implantier-Partys setzen sich die so genannten „Grinder“ selbst gebaute Chips ein, die sie beispielsweise Wifi-Signale hören und seismografische Schwingungen spüren lassen. Im No-Nonsense-Kontext finden solche Technologien als Cochlear-Implantat oder in Form von künstlichen Gelenken sinnvollen Einsatz. Hannes Sjoblad zeigt ein Bild einer Rollatoren-Gang: „These are the actual cyborgs!“

 

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2. Love 

Wenn zehn Redner und zwei Musiker ein How-to zu „Changing the Game“ bei einer TED-Konferenz liefern sollen, klingt das wie ein guter Mix aus Poesiebuch-Eintrag und echter Erkenntnis. Die Essenz: Wer etwas verändern will, muss es erst besser verstehen. Der Biohacker will etwa mit implantierten Chips optimierte Menschen mit sich selbst und dem Planeten verknüpfen, ein Architekt hat Big Data verstanden und baut seitdem LEDs mit Ethernet Verknüpfung in seine Häuser und eine NGO-Gründerin kommt direkt zum Punkt: „Quit your job and do something that makes sense“. Fühliger runden die Künstler den Tag ab. Eine Sängerin appelliert an einen Raum voller von Can-Do-Spirit angetriebenen Weltveränderern im Networking-Modus: „Seid verletzlich!“. Angenehm entspannt trällert die letzte Künstlerin schließlich: „Wenn’s sein soll, dann wird sich’s ergeben“. Fazit: Öffnet Herzen und Hirne!

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4. Wow 

Enge Hose, übergroßer Blazer und eine Frisur wie die Geier aus dem „Dschungelbuch“: Der Experimentalphysiker James Beacham wirkte wie aus der „Big Bang Theory“ gefallen und erfüllte das Klischee des leidenschaftlichen Teilchen-Tüftlers mit einem mitreißenden Charme, der selbst Physik-Muffel auf mathematische Kurven geiern lässt.

Wenn er nicht gerade TED-Talks gibt, forscht er in der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN nach neuen Dimensionen der Technologie.

 

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5. Sad

 Auch ohne VR-Brille fühlt man mit, wenn die „Godmother of Virtual Reality“, Nonny de la Peña, Aufnahmen eines Bombeneinschlags in Syrien zeigt. In Kunstinstallationen mit aufwendigem Aufbau erkunden Besucher per VR-Brille die Straßen von Aleppo oder erleben den Zusammenbruch eines Diabetes-Kranken während der Hungersnot in Los Angeles. Die Brille mit den virtuellen Szenen basierend auf tatsächlichem Tonmaterial wird abgelegt und es fließen echte Tränen. Nonny de la Peña nennt das „RAIR – Response as if Real“ in ihrem „Immersive Journalism“: Erleben, um zu verstehen.

 

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6. Hangry

Nicht nur zerstörte ein argloser Ordner gleich am Eingang die zarte Hoffnung auf Wifi, auch die Snacks in Tankstellenqualität waren schneller vergriffen als ein TED-Talker „inspiring“ sagen kann. Ganz wörtlich nahm TEDxBerlin die Phrase „food for thought“ und ließ viele Teilnehmer mit vollen Köpfen aber leeren Mägen den an das ICC-Raumschiff angedockten City Cube verlassen.

 

Text erschienen auf W&V Online am 05.09.2016

Fotocredit Headerbild: Ezra JeffreyEdmonton, Canada

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